Ein Bericht von unserem Vorstandsvorsitzenden Prof. Wolfgang Prinz, PhD und stellvertretenden Institutsleiter bei Fraunhofer FIT
Klassische Chatbots – wie viele der heute verbreiteten KI-Assistenten – sind primär auf Interaktion ausgelegt: Sie beantworten Fragen, generieren Texte oder helfen bei der Recherche. Die Initiative geht dabei meist vom Menschen aus. Diese Form der KI reagiert also hauptsächlich auf Eingaben.
Agentic AI geht einen Schritt weiter. Hier agiert die KI als Agent, der eigenständig Ziele verfolgen, mehrere Schritte planen und Aktionen ausführen kann. Ein solcher Agent kann beispielsweise Informationen recherchieren, Software-Tools nutzen, Entscheidungen treffen und Ergebnisse liefern – oft ohne dass jeder einzelne Schritt vom Nutzer vorgegeben wird. Der Unterschied zum klassischen Chatbot liegt also darin, dass Agentic AI nicht nur antwortet, sondern handelt.
Ein interessantes Beispiel in diesem Kontext ist OpenClaw. Das Projekt verfolgt das Ziel, eine offene Infrastruktur für KI-Agenten bereitzustellen. Besonders relevant für Agentic-AI-Szenarien sind dabei Eigenschaften wie:
- Offene und modulare Architektur, die verschiedene Modelle, Tools und Skills integrieren kann
- Agenten-Orchestrierung, bei der mehrere spezialisierte Agenten zusammenarbeiten
- Tool-Integration, sodass KI-Agenten aktiv auf Software, APIs oder Datenquellen zugreifen können
- Offenheit und Transparenz, was Experimente und eigene Erweiterungen erleichtert
Damit unterstützt OpenClaw genau jene Fähigkeiten, die Agentic AI ausmachen: Planung, Kooperation zwischen Agenten und das eigenständige Ausführen von Aufgaben.
Eine hilfreiche Analogie lässt sich aus der Entwicklung des Webs ziehen.
- Web 1: Inhalte werden hauptsächlich gelesen – statische Webseiten.
- Web 2: Nutzer interagieren aktiv – soziale Medien, Kommentare, kollaborative Plattformen.
- Web 3: Dezentralisierung, neue Besitz- und Governance-Modelle.
Überträgt man dieses Bild auf KI, dann befinden wir uns derzeit im Übergang von „Web 1 der KI“ (reine Generierung und Antworten) zu „Web 2 der KI“ – Agentic AI, bei dem Systeme aktiv mit Tools, Daten und Prozessen interagieren. KI entwickelt sich hier vom Dialogpartner zum digitalen Akteur, der Aufgaben eigenständig ausführt.
Ein möglicher nächster Schritt – eine Art „Web 3 der KI“ – könnte Systeme hervorbringen, die noch stärker dezentral, interoperabel und autonom organisiert sind. Denkbare Entwicklungen sind etwa:
- Netzwerke autonomer KI-Agenten, die miteinander kooperieren, wie es schon in Moltbook passiert
- Agent-Marktplätze, auf denen spezialisierte KI-Agenten Dienste anbieten, die dazu über verifiable credentials autorisiert sind
- Eigentums- und Governance-Modelle für KI-Agenten, z. B. über Blockchain-basierte Mechanismen (Tokens, Verfiable Credentials oder Smart Contracts)
- Selbstorganisierende Agentenökosysteme, die Aufgaben untereinander verteilen und montetarisieren
Agentic AI markiert damit einen wichtigen Entwicklungsschritt: KI verlässt die Rolle des reinen Antwortgebers und wird zunehmend zu einem aktiven Teilnehmer digitaler Prozesse. Plattformen wie OpenClaw könnten dabei helfen, diese neue Generation von KI-Systemen experimentell und offen weiterzuentwickeln.
Wir experimentieren bei Fraunhofer FIT sowohl mit OpenClaw als auch mit anderen Frameworks, wie z.B. N8N. Haben Sie auch schon Erfahrungen mit diesen neuen Möglichkeiten gesammelt oder möchten Sie in das Thema einsteigen und OpenClaw ausprobieren? Sprechen Sie uns einfach an, auch andere IDiTech Mitglieder verfügen über Know How zu diesem Thema das wir gerne vermitteln.